Meine persönliche Erfahrung mit Vipassana

Bereits vor 2 Jahren habe ich das erste Mal von Vipassana gehört und schon da hat mich der Gedanke gereizt, einmal nur mit mir zu sein und zu meditieren. Einfach mal schauen was passiert, wenn alles um mich herum still ist und ich nur mich, meinen Körper und meinen Verstand habe. Vipassana kam immer wieder in mein Leben, nur getraut hatte ich mich nicht. Ich habe Ausreden gefunden, wieso es aktuell nicht geht und wieso ich besser die Finger davon lassen sollte. Da war mein innerer Kritiker aber sowas von am Start. Ich dachte, ich müsste dazu nach Thailand oder Bali fliegen. „Und das ist ja viel zu weit“, hörte ich meine innere Stimme sagen. Und wie es so ist, kommt alles, was du unbedingt in deinem Leben brauchst oder welche Erfahrung du in deinem Leben machen sollst, immer wieder zu dir zurück. Genauso verhielt es sich mit dem Meditationsretreat „Vipassana“, welches ich in Deutschland gemacht habe- knapp 300 km von meinem Heimatort entfernt. Und obwohl es nur 3 Tage waren, war es die schönste und krasseste Erfahrung meines Lebens.

Was ist eigentlich Vipassana?

Alles, was du machst, ist mit deinem Atem zu arbeiten. Du beobachtest deinen Atem und bist ganz bei dir und deinem Körper. Du beobachtest die Empfindungen, wie sie kommen und gehen. Das ermöglicht dir zu erleben, dass alles Veränderung ist. Dir wird bewusst bzw. du lernst, dass es keinen Sinn macht, sein Herz an Dinge, Menschen oder Ereignisse zu hängen, denn nichts ist von Bestand. Hängst du dich dennoch an genau diesen Dingen, Menschen und Ereignissen auf, verursacht das Leiden und wer leidet verbreitet Leiden.

Vipassana ermöglicht dir aus diesem Teufelskreis auszubrechen. Es ermöglicht dir vor allem, dass du schaffst zu verstehen und zu begreifen, dass alles endlich und miteinander verbunden ist. Vipassana ist eine Meditationstechnik, welche von Buddha entdeckt wurde. Buddha war es durch Vipassana möglich, zur Erleuchtung zu gelangen.

Vipassana-Zentren gibt es weltweit. Für mich war es eine super schöne Erfahrung, das direkt in Deutschland gemacht zu haben, ohne dafür nach Thailand oder Bali reisen zu müssen. Ich dachte tatsächlich, dass es nur dort möglich wäre und man nur in solchen „spirituellen Ländern“ zu sich finden kann.

Du kannst dir inneren Frieden und Glückseligkeit nicht herstellen. Sie sind deine wahre Natur. Sie bleiben übrig, wenn du all das aufgibst, was dich leiden lässt.
- Buddha -
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Für wen ist Vipassana?

Vipassana ist für Menschen, die sich selbst erfahren möchten und die bereit sind, nur mit sich zu sein. Für Menschen, die sich wieder mit ihrem Herzen verbinden wollen, aber auch bereit sind, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen.

Vipassana ist kein Urlaub und meiner Meinung nach auch nicht direkt „Entspannung“, denn du wirst mit dir selbst konfrontiert und das kann wirklich ganz schön an die Substanz gehen. Du bist bei Vipassana komplett in der Stille und schweigst. Das heißt, du bist wirklich nur bei dir. Du hast keinen Kontakt zur Außenwelt und keinen Kontakt zu den Menschen, die mit dir an diesem Ort sind. Ich denke auch, dass Vipassana nur für psychisch stabile Menschen empfehlenswert ist. Denn Vipassana kann einiges triggern und an die Oberfläche holen, von dem du dachtest, es sei gar nicht mehr präsent in deinem Leben.

Wie sieht der Tagesablauf aus?

Im Normalfall geht Vipassana 10 Tage. Ich habe nur 3 Tage Vipassana gemacht, da ich erstmal ein Gefühl dafür bekommen wollte. Dennoch ist der Tagesablauf ähnlich. Ganz egal, ob du 3 oder 10 Tage Vipasssana machst.

Zu Beginn wird dir auch alles genau erklärt. So weißt du, was auf dich zukommt.

Jeder Tag ist gleich gestaltet:

Um 6:00 Uhr beginnt der Tag und du begibst dich zu deinem Bereich im Meditationsaal. Du meditierst und schenkst deinem Atem volle Aufmerksamkeit. Um 9:00 Uhr gibt es Frühstück. Davor folgt eine geführte Meditation und du darfst dich auf deinem eigenen Platz bewegen. Sprich, du darfst Yoga und auch andere Übungen praktizieren. So, dass es für dich richtig ist. Du bist dennoch immer präsent bei dir und deiner Atmung und komplett in der Stille. Von 10:00 – 13:00 Uhr folgt dasselbe Spiel. Du bist bei dir und präsent, immer auf deiner Matte, deinem eigenen „Bereich“ im Meditationssaal. Um 13:00 Uhr folgt das Mittagessen und um 14:00 Uhr eine Gehmeditation in der Natur. Auch hier gilt: Nur du, dein Atem – präsent im Hier und Jetzt. Im Anschluss geht es wieder auf deine Matte und du meditierst bzw. bist bei dir und deinem Atem und übst bis zum Abendessen um 18:00 Uhr. Von 19:00 – 21:00 Uhr übst du weiter auf deiner Matte. Du übst bei dir zu sein, vollkommen präsent. Die letzten 7 Minuten jeder Stunde hast du Zeit für persönliche Bedürfnisse, sprich um aufs Klo zu gehen, etwas zu trinken oder was auch immer du gerade brauchst. Du wirst den kompletten Tag über begleitet, vor allem wirst du während dem Üben immer wieder daran erinnert, auf was es ankommt, nämlich auf das „Atmen“. Es folgen Vorträge vom Seminarleitenden, welche zum Teil aus geführten Meditationen und Geschichten von Buddha bestehen. Der Seminarleitende ist immer anwesend und führt dich durch den Tag. Um 21:00 Uhr geht es ins Bett. Wenn du weiter üben möchtest, darfst du das auch die ganze Nacht machen. Am letzten Tag gibt es eine offene Fragerunde mit allen Teilnehmern und den Seminarleitenden. Du darfst hier Fragen stellen, deine Erfahrung teilen und endlich wieder sprechen und andere anschauen.

Was für Regeln gibt es bei Vipassana?

Während der kompletten Zeit gilt absolute Stille. Das bedeutet, dass du mit niemandem sprechen und keinen Blickkontakt haben darfst. Einzige Ausnahme ist das persönliche Gespräch mit deinem Lehrer bzw. dem Seminarleitenden. All das macht auch Sinn, denn du sollst deine eigenen Erfahrungen machen und dich nicht mit anderen austauschen. Du würdest sonst anfangen zu vergleichen und eventuell das Gefühl haben, dass du etwas falsch machst. Du sollst dich nicht ablenken lassen und daher ist alles verboten, was deine Aufmerksamkeit fordern könnte. Du gibst daher dein Handy, deinen Laptop, dein Buch und Schreibzeug ab, bzw. du lässt das am besten zu Hause.

Wie sah meine Unterkunft aus und wie war das Essen?

Ich hatte ein eigenes Zimmer. Dort befand sich ein Bad, ein Bett und ein Schrank. Das wars, mehr brauchst du tatsächlich auch nicht. Wie oben bereits erläutert, gibt es einen Meditationssaal. Hier übst du. Du hast im Meditationssaal deinen eignen Bereich. Hier hast du alles, was du benötigst. Eine eigene Matte, Meditationskissen, Yogablöcke, einen Yogagurt und Decken. Du befindest dich im Meditationssaal ausschließlich auf deinem Bereich – deinem Übungsplatz.

Jede Mahlzeit ist vegan bzw. vegetarisch. Da ich mich fast nur vegan ernähre, war das Essen für mich perfekt und sehr gut verträglich. Das Ziel bzw. die Aufgabe bei Vipassana ist auch, dass du das Essen vollkommen genießt und wahrnimmst, jeden Bissen schmeckst und aufmerksam bist. Die Erfahrung, die ich hier gemacht habe war, dass ich das Essen viel intensiver geschmeckt habe und auch mehr genießen konnte, als sonst.

Wie habe ich Vipassana erlebt und wie ging es mir?

Ja, was soll ich sagen. Ich hatte so einen großen Respekt davor und ich hatte auch wirklich sehr große Angst vor dem, was mich erwartet.

Vor allem am Anreisetag ging es mir überhaupt nicht gut. Ich hatte das Gefühl mein Körper streikt und mein Kopf möchte, dass ich am liebsten sofort wieder gehe und nach Hause fahre.

Doch als ich dann dort war und mir den Vortrag, welcher zu Beginn stattgefunden hat, angehört hatte, wusste ich, hier bin ich zu Hause. Hier werde ich verstanden und hier bin ich richtig. Das war das Gefühl, das ich sofort am ersten Tag hatte.

Ich muss auch sagen, dass es mir sehr leichtgefallen ist, mein Handy und meinen Laptop abzugeben. Ich fühlte mich sofort frei von all dem, was mich oft stresst und mich unter Druck setzt. Ich liebe meine Arbeit und da es mir deswegen oft schwer fällt mein Handy und meinen Laptop bewusst wegzulegen, war es wirklich eine großartige Erfahrung auch mal Arbeit „Arbeit“ sein zu lassen.

Als es in die Stille ging, war das auch kein Neuland für mich, da ich täglich meditiere und mir oft Zeit für mich nehme. Nichts desto trotz war das eine komplett andere und neue Erfahrung. Zu Beginn schalteten sich tatsächlich immer wieder meine Gedanken ein, es wurde lauter und lauter und ich verzweifelte fast, da es mir so schwer fiel, mich auf meinen Atem zu konzentrieren, denn das war schließlich die Aufgabe.

Am ersten Tag verfluchte ich gefühlt alles und jeden, vor allem mich selbst und die wichtigsten Menschen in meinem Leben. Ich war so krass im Kopfzirkus gefangen, dass ich mich gefühlt immer weiter von mir entfernte. Meine Gedanken haben sich stark um meine Selbständigkeit und die damit verbundenen Ängste gedreht. Hätte ich an diesem Tag meinen Kopf abschrauben können, hätte ich ihn wahrscheinlich aus dem Fenster geschmissen. Ich bin wirklich stark an meine Grenzen gekommen und mir ging es wirklich gar nicht gut.

Am zweiten Tag ist plötzlich was passiert. Nach einer geführten Mediation am Morgen war es plötzlich da. Diese wundervolle Stille in mir. Ich habe mein Herz in jeder Zelle meines Körpers gespürt, habe das Rauschen von meinem Blut wahrnehmen können und ich war wirklich eins mit mir, in vollkommener Präsenz. In innerer Ruhe und in Freiheit. Plötzlich waren all meine Ängste und Sorgen weg und ich konnte meinen Weg, welchen ich gehen möchte, mehr sehen, als jemals zuvor. Ich war in Frieden mit all den Menschen in meinem Leben und spürte Liebe. Liebe mir und anderen gegenüber. Ich war frei. So fühlte es sich an. Ich hatte die schönsten Erkenntnisse und war in einem Urvertrauen dem Leben gegenüber.

Am Nachmittag und am dritten Tag kam ich allerdings nie wieder in diesen Zustand zurück. Ich versuchte mich dafür nicht zu verurteilen, denn ich wusste, dass ich einmal in diesem Zustand war und ich weiß, wie sich das anfühlt.

Kurz vor Abreise bekamen wir unser Handy und den Laptop wieder. Ich beschloss jedoch das Handy noch auszulassen. Ich fühlte mich so krass geerdet, wie noch nie in meinem Leben. Ich war so bei mir, wie niemals zuvor. So entschleunigt und voller Liebe.

Für mich als Kopfmensch war es sehr heilsam, mich auf das Spüren der Körperempfindungen zu fokussieren und sie zu beobachten. Genauso war es eine kleine Herausforderung, sie nur zu beobachten und nichts herbeizuwünschen. Das habe ich definitiv gelernt.

Seit Vipassana sind nun einige Tage vergangen. Ich versuche mich weiter in Achtsamkeit zu üben und übe mich morgens direkt nach dem aufstehen in „Atmen“. Meine Morgenroutine besteht seitdem aus einer ganzen Stunde.

Ich habe mich aufgrund dieser Erfahrung dazu entschieden, mein Wissen noch verstärkt mit den Menschen zu teilen. Ich habe hierfür den Julia’s Healthy Life Club ins Leben gerufen. Was genau der Healthy Life Club ist, kannst du sehr gerne über den unterstehenden Button erfahren. Die Teilnahme am Club ist kostenfrei. Ich freue mich, wenn wir uns im Club- in meiner Facebook Gruppe sehen und gemeinsam einen Unterschied machen. 

Diese Erfahrung hat mir den Weg zu mir gezeigt und mir vor allem bewusst gemacht, dass ich in meinen Grundbedürfnissen immer und zu jeder Zeit versorgt bin und es mir an nichts fehlt. Durch diese Erfahrung sind meine Ängste verschwunden und ich bin total im Vertrauen dem Leben gegenüber.

Würde ich Vipassana weiterempfehlen?

Ein definitives Ja, wenn du bereit bist, dich dir selbst zu stellen, dich den Regeln und der Disziplin zu unterwerfen und psychisch stabil bist. Auch ich werde definitiv in naher Zukunft 10 Tage Vipassana machen.

Wo kannst du Vipassana machen und wo war ich?

Du kannst Vipassana an vielen Orten machen. Ich war in der Nähe von Koblenz, hier kannst du 3 Tage, aber auch 10 Tage Vipassana machen. Alle weiteren Infos erhältst du unter folgendem Link:  www.buddhayoga.de

Noch ein paar persönliche Worte...

Ich hoffe, dir hat der Blogartikel gefallen. Wenn du während dem Lesen das Gefühl hattest, du wärst in einem falschen Film oder du kannst damit gar nichts anfangen, dann kann ich dir Mut machen, denn mir ging es auch mal so. Ich bin davon überzeugt, dass wir Menschen spirituelle Wesen sind, nur haben die meisten Menschen den Zugang zu sich und zu ihrer eigenen Spiritualität verloren. Sie kennen sich selbst gar nicht, sondern leben ein Leben welches nicht ihrem „Sein“ entspricht. Für mich bedeutet Spiritualität nicht, dass wir irgendeinen esoterischen Quatsch machen müssen. Nein, wir müssen nur einfach wieder lernen, eins mit uns selbst zu sein und uns wieder mit uns selbst verbinden. Und hier setzt auch Vipassana an und dafür ist es da. Einfach mal nur mit sich sein, seiner inneren Welt und seinem Körper. Mal reinhören und mit Achtsamkeit durchs Leben gehen, denn das macht unser Leben wieder lebenswert und führt uns zu unserem wahren Sein, zu uns selbst.

Nur das Beste für dich wünscht dir.

Wir sehen uns im Healthy Life Club :).

Deine Julia

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